H&M: Rainbowwashing

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Ab dem ersten 31. Mai gibt es die weltweit erste H&M „Pride Collection“ zu kaufen. Ein großer Schritt im Kampf für die Gleichstellung? Oder Sell-Out – die totale Kommerzialisierung einer unabhängigen Bewegung?

„H&M ist davon überzeugt, dass jeder das Recht hat, den zu lieben, wen er will“, sagt Andreas Lowenstam, der H&M Leiter des Bereichs für Herrenbekleidung. „Wir hoffen, dass die Leute die Pride-Kollektion von H&M nutzen werden, um die Gleichheit der Liebe zu feiern.“

Richtig, Herrn Lowenstam, jeder soll lieben, wen er will, gar keine Frage, doch muss ich mir, um meine liberale Einstellung öffentlich demonstrieren ein H&M T-Shirt mit Regenbogenmuster überstreifen? Um die „Gleichheit der Liebe“ zu feiern?

Nein, glücklicherweise nicht, es gibt noch andere Wege für den Kampf der Gleichheit der Liebe einzutreten, als Produkte einer Textilkette zu kaufen, die mit diesem Kampf bisher nicht allzu viel zu tun hatte. Einer Kette, die vor allem gegen ihr schlechtes Image kämpft, auch hier, gerade in jüngster Vergangenheit, in der die Gewinne einbrachen und Skandal auf Skandal folgte.

Vor den regenbogenfarbenen Karren spannte sich H&M ein paar queere Promis – die Botschafter des „Rainbow Capitalism“ – wie den olympischen Freestyle-Skifahrer Gus Kenworthy, die Musikerin Kim Petras, Rapper und Draq Queen Aja sowie dem Model Gabrielle Richardson.

„Ein Teil des Gewinns“ soll, so H&M, für den Kampf für die Rechte der LGBTQ-Community gespendet werden. Informationen, wieviel Prozent der verkauften Kollektion gespendet werden sollen, wieviel produziert, geplanter Absatz wurde etc., fehlen. Wahrscheinlich war die Produktion der Kampagne mit all den queeren Icons teurer, als das, was tatsächlich umgesetzt, somit gespendet wird.

Denn wer, der sich ernsthaft für die Bewegung einsetzt, demonstriert, engagiert debattiert, freut sich sicherlich nicht über H&M’s #rainbowwahsing. Und wird wohl kaum freudestrahlend im H&M PRIDE Glitzerhöschchen durch seine Heimatstadt turnen. Es ist das alte Prinzip: Große Marken setzten sich auf unabhängige Bewegungen, spielen das „Wir wollen Zeichen setzen“-Game, um Profit zu generieren.

Zuletzt wurde die Feminsim-Bewegung ausgeschlachtet, jetzt ist LGBTQ dran, weil trendy, mit ernsthafter Unterstützung hat all das natürlich herzlich wenig tun. H&M – das muss man fairerweise anmerken – ist nicht die einzige Marke, die die LGBTQ-Bewegung aktuell kommerzialisiert.

Auch bei Nike, Adidas und Levi’s gibt es fragwürdige Entwürfe und Kollektionen. Dank Kommerzialisierung geht die Kraft der Symbolik verloren. Auch hier.

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Category: News

Tags: H&M, LGBT, Pride

Von: David Kurt Karl Roth

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